Die Madonna des Kanzlers Nicolas Rolin (van Eyk)

Jan van Eyck [Public domain or Public domain]

Drei Dreiheiten: die Säulen des Gebäudes, Rolin mit Kopf, betenden Händen und Buch, Maria mit Engel und Jesus (oder die Krone und Jesus steht/sitzt für sich selbst)

Begegnung auf einer Höhe und dennoch in getrennten Welten. Kein Blickkontakt. Das Muster der Fliesen und die Geometrie zeigen eine deutliche Trennung. Was macht den Unterschied des Musters aus? Und dennoch Präsenz. Die Stärke von Rolin und das bei sich sein von Maria. Jesus ist eine Präsenz hier? Und für was steht Maria hier? Maria und Jesus scheinen hier kaum verbunden. Was ist die Bedeutung der Insel im Hintergrund, der den Schnittpunkt anzeigt? Die Insel liegt hinter der Brücke. Der Brücke zwischen dieser und der anderen Welt?

Wer sind die beiden Gestalten auf dem Balkon? Sie erinnern mich an die beiden Putten auf Raphaels Gemälde der Sixtinischen Madonna. Auch dort verstehe ich die Rolle ihrer Gegenwart nicht. Vielleicht ist es die Rolle des Betrachters? Was denkst Du?

Weitere Informationen zum Bild https://de.wikipedia.org/wiki/Rolin-Madonna

Mein Leben ist nicht diese steile Stunde (Rilke)

Mein Leben ist nicht diese steile Stunde,
darin du mich so eilen siehst.
Ich bin ein Baum vor meinem Hintergrunde,
ich bin nur einer meiner vielen Munde
und jener, welcher sich am frühsten schließt.

Ich bin die Ruhe zwischen zweien Tönen,
die sich nur schlecht aneinander gewöhnen:
denn der Ton Tod will sich erhöhn—

Aber im dunklen Intervall versöhnen
sich beide zitternd.

Und das Lied bleibt schön.

aus: Das Stundenbuch
(1899)

My life is not this vertical hour
in which you find me in such haste.
I am a tree in front of my own background,
I am only but one of my many mouths,
and the one which is the first to close.

I am the silence between two sounds
that only with difficulty grow used to one another:
for the tone of Death also wishes to be heard—

But in the darkness of the interval
they make peace with one another, trembling.

And the song remains beautiful

Sixtinische Madonna (Raffael)

Raphael [Public domain]

Die Sixtinische Madonna (ca. 1518) von Raphael Sanzio (1483-1520), Gemäldegalerie Alte Meister in Dresden, Deutschland

Die Gesamtkomposition des Werkes zeigt eine pyramidenförmige Symmetrie, die sich an das uralte Gesetz der „sectio aurea“ (Goldener Schnitt) hält.

Die Jungfrau steht inmitten eines ätherischen Hintergrundes, bestehend aus unzähligen Cherubköpfen, auf Wolken. Die grünen Vorhänge an den Seiten lassen sie wie eine wundersame Erscheinung am Himmel erscheinen. Sie schaut mit ihren großen ernsten Augen direkt zum Betrachter. Ihr Blick drückt gleichermaßen Anmut, Unschuld und eine gewisse Melancholie aus.

Das Kind Jesus ähnelt ruht in einer einfachen und kindlichen Haltung in ihren Armen. Sein Gesicht hat eine bemerkenswerte Ähnlichkeit mit ihr. Es sind die gleichen nachdenklichen Augen, die auch hier auf den Betrachter gerichtet sind.

Auf der linken Seite kniet der heilige Sixtus (gezeichnet mit dem Bildnis von Papst Julius II.) in einer weißen Tunika und einem goldfarbenen Mantel (Pallium). Er schaut zur Madonna und Kind und betet, sein Gesicht wirkt etwas entrückt. Er zeigt mit der rechten Hand in die Richtung des Betrachters.

Rechts von der Jungfrau Maria ist die heilige Barbara, kniend und die Hände über der Brust gefaltet. Ihr sanfter Blick ist nach unten gerichtet. Unten an der Balustrade lehnen zwei Putten. Diese beiden Engel schauen unschuldig, aber auch gelangweilt nach oben.

Im Laufe der Jahrhunderte wurde viel darüber diskutiert, warum sowohl die Jungfrau als auch das Kind so viel Besorgnis zeigen. Weist St. Sixtus mit seiner Hand auf den Grund? Ist die Kreuzigung gemeint? Oder verbirgt sich hier ein anderes Geheimnis? Einige Kunsthistoriker, insbesondere diejenigen des 19. Jahrhunderts, glauben, dass dieses Werk das letzte Gemälde war, das Raffael selbst vollendete. Kein anderes seiner Gemälde wurde so bewundert und als göttlich bezeichnet.

Artikel in der Zeit
„Sixtinische Madonna – Ich seh ihr Bild. Sie war’s.https://www.zeit.de/2011/52/Sixtinische-Madonna

eigene Bildbearbeitung

Aufteilung des Gemäldes nach dem Goldenen Schnitt (weiße Linien) und Einzeichnung des gleichschenkligen Dreiecks (rote Linie). Es lässt sich so die geometrische Gestaltung genau nachvollziehen.

Eine gute Einführung zu Proportion und goldener Schnitt findet sich bei „Lernhelfer“

Botticelli’s schöne Frauen


Botticelli ist einer der bedeutendsten Maler der italienischen Renaissance. Er war berühmt für seine Frauenporträts und seine Fähigkeit Weiblichkeit als Ausdruck des Lebens und der Natur in all ihren Fazetten abzubilden.

„Gingko Biloba“ (Goethe)

Eigenes Foto

Dieses Baumes Blatt, der von Osten 
Meinem Garten anvertraut, 
Gibt geheimen Sinn zu kosten, 
Wie’s den Wissenden erbaut.

Ist es ein lebendig Wesen, 
Das sich in sich selbst getrennt? 
Sind es zwei, die sich erlesen, 
Dass man sie als eines kennt?

Solche Fragen zu erwidern
Fand ich wohl den rechten Sinn. 
Fühlst du nicht an meinen Liedern, 
Dass ich eins und doppelt bin ?

Johann Wolfgang von Goethe 1815
(1749 – 1832)